Unsere Themen
Hier finden Sie Artikel und Beiträge und Kommentare zu verschiedenen Themen. In erster Linie werden Veranstaltungen beschrieben, die wir in unserer Regionalgruppe aktiv angegangen sind bzw. als Fortbildungsmaßnahmen geboten wurden.
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Die Reihenfolge der Beiträge erfolgt chronologisch: der oberste Bericht ist der neueste.
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2025: Die Kunst des Konflikts
Am 7./8. Februar 2025 fand in Ravensburg eine zweitägige Fortbildung statt mit dem Thema „Die Kunst des Konflikts“. Von der Beraterfirma hephaistos aus München konnte Tobias Rieder als Referent gewonnen werden. Die Veranstaltung war mit 20 Teilnehmern ausgebucht.
Tobias Rieder ist kein klassischer Mediator im Sinne des BM. Er ist als Berater und Coach in ganz Deutschland unterwegs, und dabei begegnen ihm natürlich auch immer wieder Konflikte. Von der Systemtheorie und der Metatheorie der Veränderung geleitet, unterscheidet sich sein Umgang mit Konflikten und mit den Klienten spürbar von der klassischen Mediation: seine wichtigste Intervention ist die eigene Resonanz. Beratung – auch in Konflikten – wird hier definiert als das zur Verfügung stellen externer Wahrnehmung. Im konsequenten Spiegeln auf der Grundlage der Perspektiven, die sich aus dem theoretischen Unterbau ergeben, bewirkt er Veränderung im Denken und schließlich auch im Handeln.
Es war hochinteressant und spannend, einmal die eigene Blase zu verlassen und sich mit anderen Ansätzen im Konfliktmanagement auseinanderzusetzen. Manche Parallelen und Gemeinsamkeiten zur Mediation konnten gefunden werden; die andere Herangehensweise, die andere Grundhaltung boten aber auch vielfältige Möglichkeiten, davon zu lernen und manches zu übernehmen.
Weiterführende Literatur:
Mediation in Teams und Gruppen am 1./2. März 2024
Dieses Jahr fand unsere Weiterbildung wieder einmal bei bestem Frühlingswetter statt. Das Format einer 2-tägigen Schulung hatte sich bewährt und sollte auch dieses Jahr so sein.
Es trafen sich 21 Teilnehmer/innen in Ravensburg im Bischof-Moser-Haus. Da die Veranstaltung auch über den Bundesverband Mediation beworben wurde, waren auch überregionale Teilnehmer/innen dabei, eine sogar aus Bonn.
Dieses Jahr war unserer Referent Christian Bähner aus Freiburg. Er hat das Institut Zweisicht gegründet und ist seit 25 Jahren im Bereich Mediation unterwegs. Er hat uns kompetent in das Thema eingeführt.
Eine ganz klassische Mediation besteht oft nur zwei Konfliktparteien, die evtl. sogar nur jeweils aus einer Person bestehen. Die Arbeit mit Teams, z.B. in einer Firma oder Organisation kann z.B. 5-10 Teilnehmer/innen haben. Eine weitere Herausforderung ist es, wenn verschieden Hierarchien dabei sind, also z.B. der Teamleiter oder der Geschäftsführer. Der Mediator übernimmt dann Aufgaben, die eigentlich die des Vorgesetzten sind. Auch eine Beteiligung des Betriebsrats ist möglich.
Eine weitere Herausforderung ist es, noch größere Gruppen zu mediieren, z.B. Bürgerbeteiligungen bei öffentlichen Bauvorhaben.
Eine gute Idee ist bei steigender Anzahl immer, die Mediation mit einem Co-Mediator anzugehen, da man ab 5-6 Teilnehmern alleine der Situation nicht mehr gerecht werden kann.
Mehr Teilnehmer/innen bedeutet bei gleichem Zeiteinsatz immer auch, dass man nicht bei allen Themen in die Tiefe gehen kann.
Auch bei den Methoden kommen andere zum Einsatz. In einem angenehmen Mix zwischen theoretischem Input und Rollenspielen konnten wir einige passende Methoden trainieren.
Nach diesen zwei intensiven Tagen gingen wir zufrieden und mit neuen Ideen in den Samstagabend.
Fortbildung Klärungshilfe 10./11. Februar 2023
„Klarheit durch Wahrheit"
An diesen zwei sonnigen Februartagen fand unsere jährliche Fortbildung statt. Neben den Treffen der Regionalgruppe, die mehrmals im Jahr stattfinden, ist es uns wichtig, auch fundierte Schulungen anzubieten um uns als Mediator(innen) weiterzubringen.
Die Themen sind von den Mitgliedern der Regionalgruppe gewählt, trotzdem sind die Schulungen offen für alle Interessierten.
Für dieses Jahr konnten wir Tilmann Metzger gewinnen. Er kommt aus Lüneburg, ist ein Urgestein in der Mediation und spezialisiert in der Klärungshilfe.
Die komplette Ausbildung in der Klärungshilfe bietet er in 35 Tagen an, wir konnten in diesen zwei Tagen also nur einen sehr kompakten Teil der Methode lernen.
Die Klärungshilfe wurde von Christoph Thomann in den 1980ern begründet. Besonderheiten der Klärungshilfe im Gegensatz zur klassischen Mediation sind:
- Die Freiwilligkeit erhält einen anderen Stellenwert, da die Klärungshilfe oft im betrieblichen Umfeld eingesetzt wird, wo Vorgesetzte ihre Mitarbeiter oder das ganze Team zu einer Klärungshilfe-Mediation „abordnen“.
- Die Teilnehmer setzen sich hauptsächlich gegenseitig mit sich auseinander und nicht so sehr über den Mediator
- Es werden bewusst Vorwürfe und Gefühle zugelassen und sogar provoziert, um im Prozess so weit wie möglich die tieferen Ursachen des Konfliktes aufzudecken.
- Die Praxis des „Doppelns“, indem der Mediator den Aussagen der Teilnehmer noch mehr Klarheit gibt, helfen den Dialog zu vertiefen und den Konflikt klarer darzustellen.
- Klärungshilfe konzentriert sich zunächst auf die Klärung der Beziehung und verwendet die meiste Energie auf diesen Punkt. Eine Lösung wird erst erarbeitet, wenn die Beziehung geklärt ist. Deshalb ist Klärungshilfe dort nicht angebracht, wo die Beziehung bereits als gescheitert angesehen wird und es nur noch darum geht, diese fair und gerecht zu beenden.
In Gesprächen in den Pausen und beim gemeinsamen Mittagessen wurde intensiv über die Schulung und auch die eigenen Erfahrungen diskutiert und ich bin mir sicher, dass jede(r) von uns sehr viel mitgenommen hat.
Stefan Gröllich
Spiral Dynamics - Unser Fortbildungsworkshop vom 27.10.2017
Werte und Wertekonflikte in der Mediation
Knapp 20 Mediatorinnen und Mediatoren aus der Region Bodensee Oberschwaben waren da, als Milan "Spiral Dynamics in der Mediation" näher brachte. Mitglieder unseres Regionalverbands und erfreulicherweise auch Gäste starteten in einen persönlich und beruflich gewinnbringenden Tag im Wirtschaftsmuseum in Ravensburg.
Spiral Dynamics als Wertespirale war einigen bekannt, dem Einsatz dieser Methode in der Mediation half Milan praktisch auf die Sprünge. Milan ist Dipl. Sozialarbeiter, Gestalttherapeut, Supervisor in freier Praxis; Mediator und Mediationsausbilder und setzt sein Wissen rund um die Wertekonflikte bei Teamkonflikten schon jahrelang ein. Mehr dazu unter www.rohanda.de
Herzlich willkommen zum Training im Umgang mit Wertekonflikten, das war der Start. Das begeisternde an diesem Tag war der Mix aus Theorie und Praxis:
Was sind Werte? Was sind Normen?
Was ist Spiral Dynamics – ein Modell der Evolution von Werten
Die Einordnung von Wertekonflikten in der Mediation
Das Werte- und Entwicklungstrapez (Schulz v. Thun)
Methoden zur Entwicklung von Wertesynthesen
Also eigentlich haben wir 3/4 des Tages trainiert, die Sichtweisen der unterschiedlichen Werte diskutiert und unsere Mediationsvokabeln um mindestens 100 Wörter erweitert. Persönlich war es aber auch ein Blick auf die eigene Wertehaltung, für die sich jeder Mediator regelmäßig Zeit nimmt, um die Allparteilichkeit für die Konfliktparteien zu garantieren. Mit Milan einmal auf eine sehr fokussierte Art und Weise, die jeden Beteiligten dort abholt, wo er mit seinen Werten zuhause ist.
Wir machen diese Mediation:
mit dem Ziel, ein Gewinn an Qualität, nicht nur für uns, sondern auch für das gesamte System, in dem wir leben
im Bewußtsein, daß es viele subjektive Wahrheiten gibt, und diese unterschiedliche Ausdrucksformen brauchen
mit dem Ziel, Streit beizulegen und Frieden und Harmonie für alle Beteiligten wieder herzustellen. Für mehr Freude.
mit dem Ziel, die bestmögliche Lösung nach dem derzeitigen Stand des Wissen und nach objektiven Kriterien zu erreichen
mit dem Ziel, eine allgemeinverbindliche Ordnung und Regeln zu entwickeln, die allen Beteiligten Sicherheit gibt
unter Anerkennung der Tatsache, daß Stärke auch dazu dienen kann, Schwächere zu schützen
mit dem Ziel, die Verbundenheit der Gemeinschaft zu schützen und die zerrissene Bande wieder zu versöhnen
mit dem Ziel, Kosten zu sparen und für alle Beteiligte Sicherheit zu ermöglichen oder zu stabilisieren
Bilder gibt es von dieser Veranstaltung nicht, im Lerneifer und beim Üben ging dies völlig unter. Wie ich finde, ein sehr gutes Zeichen. Ich freue mich auf das Anwenden der Erkenntnisse und auf die nächste Fortbildung der Regionalgruppe Bodensee Oberschwaben im Bundesverband Mediation.
Kathrin Lanz - Mediatorin und Mitglied in der Regonalgruppe
GFK - Gewaltfreie Kommunikation in der Mediation
Unsere Weiterbildungsveranstaltung am 14.07.2016:
„Herzlich Willkommen zum Workshop der Gewaltfreien Kommunikation in der Mediation“, so begrüßte uns Andi Schmidbauer als Teilnehmer/Innen im Hotel Waldhorn in Ravensburg.
Andi Schmidbauer ist Trainer und Mediator. Zusammen mit Ingrid Holler betreibt er die „Akademie Blickwinkel“ in München.
Kommunikation und Lernen erscheinen ihm als zwei wertvolle Bereiche, die ganz entscheidend für unsere Entwicklung sind. Zumindest waren und sind sie es auch in seinem Leben.
Die gewaltfreie Kommunikation, GFK, wurde von Marshall Bertram Rosenberg (*1934 in der USA geboren) entwickelt. Schon 1960 arbeitete er mit dieser Methode in Schulen. Weltweit war der Ruf nach ihm und seiner Methode, besonders in Betrieben, Krisengebieten, Familien und Partnerschaften. Marshall Rosenbergs innigstes Anliegen war, mit seiner wertschätzenden Kommunikation, zu immer mehr Frieden in der Welt beitragen zu können.
Sein Lehrer war der bekannte Therapeut Carl Rogers, der auch von der Lebenshaltung Mahatma Gandhis geprägt war.
Andy Schmidbauer führte uns in diese Lebenshaltung näher ein. Es ist eine Haltung, die sich jenseits von Recht und Schuldzuweisung bewegt. Sie wiederum benötigt das Lernen einer Kommunikation, die immer mehr auf Urteile und Vergleiche verzichten möchte. Mit dieser Methode können Menschen sich auch immer mehr auf das aktive Zuhören konzentrieren. Sowohl auf die eigenen inneren Bewegungen, sowie auch auf die der Gesprächspartner/innen.
Ein wichtiger Schlüssel ist dabei das Erlernen der folgenden vier elementaren Schritte der GFK, die
Andy Schmidbauer so veranschaulichte:
1. Beschreibung der Wahrnehmung
2. Die Mitteilung der Gefühle
3. Die Beschreibung der zugrundeliegenden Bedürfnisse
4. Die Mitteilung der ganz konkreten, praktischen und machbaren Bitten und Handlungen
Innerhalb dieser Schritte ist ein zentrales Werkzeug das Entdecken der Bedürfnisse. Das sind die Bedürfnisse aller Menschen, die auf unserer Erde leben. Diese Grundbedürfnisse verstehen alle Menschen gleich. Dazu gibt es Listen, die die einzelnen Grundbedürfnisse (ca. 80) benennen.
Hier kann jeder Mensch die zutreffenden für sich finden. Zum Beispiel Geborgenheit, Zugehörigkeit, Lebensfreude, Bewegung, Ernährung, Kontakt, Akzeptanz und Rücksichtnahme.
Weiter kann jeder Mensch lernen, Gefühle zu erleben, die ein Wegweiser zu diesen Bedürfnissen sind. Daraus wiederum kann abgeleitet werden, ob es ein erfülltes Bedürfnis ist, oder ob ein Mangel beschrieben wird.
Wir bekamen reichlich Material um die vier vorgenannten Schritte gemeinsam zu üben. Sehr wichtig war es Andi, dass wir unseren Blick dafür schärfen und den richtigen „Blickwinkel“ für Bewertungen, Urteile und Schuldzuweisungen entwickeln. Schnell schleichen sich ja Redewendungen in unsere Sprache ein, die dann oftmals nicht passend eingesetzt werden. Dies zu erkennen und in eine positive, wertschätzende Formulierung umzugestalten, empfand ich als besonders erhellende Momente.
Vage und abstrakte Formulierungen in konkrete Handlungen und Bitten umzuformulieren ist ein Weg, der sich nicht leicht für mich und meine Übungspartner/innen darstellte.
Der Weg der gewaltfreien Kommunikation GFK ist ein stetes Üben, was sehr schnell von allen Workshop-Teilnehmern mit erkennbarer Begeisterung angenommen wurde. Wir hatten die Gelegenheit, mit Andi Schmidbauer in die langjährigen Erfahrungen mit GFK einzutauchen.
Karin Kümmerle-Stenger Mitglied der RG-Bodensee-Oberschwaben
Enneagramm und Konfliktbearbeitung
Am 10.7.2015 veranstaltete die Regionalgruppe Bodensee - Oberschwaben im Bundesverband Mediation e.V. im Wirtschaftsmuseum Ravensburg eine Fortbildung für Mediatoren, Coaches und Interessierte zum Thema "Enneagramm". Referent war Herr Jürgen Werner, Freiburg. Er stellte das Enneagramm als Persönlichkeitstypologie vor und erläuterte dessen Nutzen und Aussagekraft für Zwecke der Mediation.
Das Enneagramm hat im Vergleich zu anderen Modellen der Persönlichkeitstypologie einen vergleichsweise geringen Bekanntheitsgrad unter Mediatoren und Konfliktbearbeitern. Es ist einerseits Modell - also eine idealisierte systematisierende Beschreibung der Wirklichkeit, andererseits Werkzeug, aus dem für bestimmte Situationen Erklärungen oder Verhaltensempfehlungen abgeleitet werden können. Es ist zwar noch nicht umfassend durch empirische Studien gesichert, jedoch eine Sammlung von Erfahrungswissen, das seine Qualität dadurch belegt, dass es im Prozess der Modellevolution über Jahrtausende bestehen konnte.
Die Grundaussage: normalerweise sind wir in unserem Verhalten frei und nicht festgelegt auf bestimmte Muster. Unter Anspannung und Aufregung, in Stresssituationen schalten wir dagegen auf eine Art Automatik um und folgen unbewusst einem Grundmuster, unsere gewohnheitsmäßige Art des Wahrnehmens, Denkens, Fühlens, Verhaltens. Dieses Grundmuster ist zwar ein individuelles, jedoch sind bestimmte typische Züge unterscheidbar.
Das Enneagramm (aus den griechischen Worten: 'ennea' und 'gramma'= neun Zeichen) ist die bildliche Darstellung eines Modells solcher menschlicher Charaktermuster und deren Beziehungen zueinander. Trotzdem wird den individuellen Variationen bewusst Rechnung getragen. Dargestellt wird das symbolisch als Kreis, auf dem 9 Punkte (jeweils für ein Grundmuster) über Linien mit jeweils zwei bestimmten anderen in besonders enger Verbindung steht. Über den Kreis ist jeder Punkt zudem mit allen anderen Punkten verbunden. Im Folgenden wurden von Herrn Werner dann ausführlich diese neun Persönlichkeitstypen und deren Beziehungen zu einander sowie deren Verhalten zu einander im Konfliktfall erläutert.
In seiner ursprünglichen Absicht will das Enneagramm aufzeigen, wie festgefahren Menschen in den meisten ihrer Reaktionen sind und sich - wenn sie nicht bewusst nachdenken - selbst im Weg stehen. Sie scheinen einem heimlichen Drehbuch zu folgen.
Das Enneagramm kann im Kontext der Mediation bzw. Verhandlung in dreifacher Weise von Nutzen sein: Primär hilft es dem Mediator zur professionellen Selbstreflexion und Selbstklärung. Sekundär ermöglicht es Hypothesen und Hilfestellungen beim Umgang mit den streitenden Parteien. Es hilft beim Verständnis ihrer Denk- und Handlungsweisen. Es kann schließlich bei der Auswahl und dem Zusammenführen von Mediator und Partei nützlich sein, da bekanntlich die Beziehungsebene in diesem dreipoligen Verhältnis Grundlage für den Erfolg sein kann.
Details zu der Persönlichkeitstypologie in: Ulf Tödter / Jürgen Werner „Erfolgsfaktor Menschenkenntnis“, Cornelsen - Verlag.
Burkhard Römer Überlingen - Mitglied in RG Bodensee-Oberschwaben
Mediation und Rechtsschutzversicherungen
Mediation und Rechtsschutzversicherung war ein Hauptthema beim diesjährigen Versicherungstag Bodensee-Oberschwaben, der von der IHK mit dem BVK Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute e.V. ausgerichtet wurde.
Unsere Regionalgruppe im Bundesverband Mediation e.V. deckt den selben Raum Bodensee-Oberschwaben ab, wodurch sich ein Erfahrungsaustausch direkt mit den ortsansässigen Versicherungsvermittlern anbietet.
Als Referent unserer Regionalgruppe stellte zunächst Franz Hanßler – Rechtsanwalt und Mediator aus Ravensburg – das strukturierte Verfahren der Mediation vor, wobei ein besonderes Augenmerk auf die Grundprinzipien Eigenverantwortung und Freiwilligkeit gelegt wurde. Mediation, ein Verfahren das zwischen den Kontrahenten auf gleicher Augenhöhe gemeinsam und unter Einbeziehen von Bedürfnissen und Gefühlen eine Lösung finden soll, hinterlässt im Gegensatz zu einem Richterurteil meist weniger das Gefühl, verloren zu haben. So kann auch dieses Ergebnis ein neuer Beginn in eine gemeinsame Zukunft sein mit mehr gegenseitiger Beachtung und Wertschätzung.
Zusätzliche Effekte wie ein kurzfristiger Beginn und eine relativ kurze Verfahrensdauer lassen den Konflikt zeitnah angehen und erledigen. Ein weiterer wesentlicher Faktor ist die Kostenberechnung. Die Aufwendungen für die Mediation werden nach Stundenhonorar abgerechnet, im Gegensatz zum großen Kostenrisiko bei Gebührenberechnung nach Streitwert.
Sebastian Himstedt – Rechtsanwalt und Mediator aus Bonn – berichtete lebhaft über seine Erfahrungen mit Mediation in der eigenen Praxis so wie aus den Erkenntnissen seiner Kontaktarbeit zwischen dem Bundesverband Mediation e.V. und den deutschen Rechtsschutzversicherern.
Die Rechtsschutzversicherer haben in den letzten Jahren mehr und mehr die Mediation als Möglichkeit zur Kostenreduzierung entdeckt. Mit Stärkung des Service-Gedankens wird dem ratsuchenden Kunden bei geeignet erscheinenden Fällen eine sogenannte telefonische Shuttle-Mediation angeboten. Um für das Mediationsverfahren einen zusätzlichen Anreiz zu schaffen verzichten die Versicherer in der Regel auf die vertraglich vereinbarte Selbstbeteiligung. Die Beauftragung des Mediators erfolgt dann durch den Versicherer an einen von ihm vertraglich gebundenen Mediator, der die Abläufe mit dem RS-Versicherer abgestimmt hat. Dieser Mediator nimmt normal innerhalb einer Stunde mit dem Kunden telefonisch Kontakt auf und bespricht mit ihm die geplante Vorgehensweise. Auf diese Weise fühlt sich der Kunde „aufgefangen“ und die dabei begleitende „allgemeine Lebenshilfe“ sowie fallbezogene Tipps stärken ihm den Rücken. Die Kundenzufriedenheit ist so weiterhin ein starkes Argument im allgemeinen Wettbewerb.
Der Mediator führt dann kurzfristig die wechselseitigen Telefongespräche und informiert jeweils die Gegenseite über den aktuellen Stand, wobei sich der Auftraggeber stets direkt in seinen Streitfall eingebunden fühlt. Mehrjährige Erfahrungen zeigen dass die Telefon-Mediation vorwiegend bei Fällen mit einem Streitwert bis zu 10.000 € eingesetzt wird. Etwa 70% der Fälle können meist innerhalb von zwei bis drei Wochen positiv abgeschlossen werden. Ausser dem großen Zeitvorteil wird auch vermieden, dass sich überschaubare Konflikte zu teuren und langwierigen Prozessen hochschaukeln.
Und sollte die Telefon-Mediation nicht zum Erfolg führen, so kann der Mediator eventuell in einer Präsenz-Mediation den Fall weiterführen, sofern die beteiligten Medianden sich für ein Verfahren der gleichzeitigen Verhandlung offen zeigen. Zeigt sich die Mediation in einem Fall als nicht durchführbar, so kann der konventionelle Rechtsweg unter Einschaltung eines Rechtsanwalts immer noch beschritten werden.
Das Interesse der anwesenden Versicherungsvermittler war lebhaft, nachdem sie ja in der Regel der erste Ansprechpartner des Kunden im Streitfall sind. Es zeigte sich hier aber auch, dass noch sehr viel gegenseitige Information und Erläuterungen zur Praxis erforderlich sind.
Systemische Aufstellungen in der Mediation
Fortbildungsveranstaltung am 16.07.2014, Beginn: 14:00 Uhr, Ende ca. 18:00 Uhr
Gasthof Storchen, Wilhelmstr. 1 in Ravensburg
Jeder Mensch ist Teil eines Systems: Teil der Familie, der Belegschaft seines Arbeitgebers, der Sportmannschaft, der Gemeinde etc. Die Teile des jeweiligen Systems stehen in vielfältigen Beziehungen zueinander. Ähnlich wie in einem Ökosystem hat der Konflikt zwischen zwei Mitgliedern einer Gruppe Wechselwirkungen mit den anderen Mitgliedern. Ein Konflikt ist also in seinem sozialen Kontext zu betrachten, kurz: systemisch.
Der Mensch denkt in Bildern, darauf haben viele Wissenschaftler und Psychologen immer wieder hingewiesen. Die Aufstellung, sei es mit Figuren oder mit lebenden Menschen als Stellvertreter der Mitglieder eines Systems, macht das innere Bild des Klienten sichtbar, und verschafft dadurch Zugang zu Lösungen.
In dem Vortrag werden die Grundzüge systemischer Aufstellungsarbeit aufgezeigt und anhand einfacher Demonstrationen eine Vorstellung vermittelt, inwiefern diese Arbeit bei der Bearbeitung von Konflikten und in der Mediation eingesetzt werden kann.
Referent: Dietrich Knapp, Mediator und systemischer Coach, 88348 Allmannsweiler
Eintritt: für Mitglieder der Regionalgruppe 10 €, für Nicht-Mitglieder 20 €.
ANFAHRT: Link in Google Maps:
www.google.de/maps/place/Hotel+Storchen/@47.783407,9.615321,17z/data=!3m1!4b1!4m2!3m1!1s0x0:0x2ae2e226ca45ec6
ANMELDUNG online:
http://rg-bodensee-oberschwaben.bmev.de/kontakt-zu-uns/
Kommentar zu unserer Veranstaltung am 16.07.2014
Aufstellungsarbeit in der Mediation
Am 16. Juli 2014 veranstaltete die Regionalgruppe Bodensee-Oberschwaben ein halbtägiges Seminar zum Thema „ Aufstellungsarbeit in der Mediation“ Durchgeführt wurde das Seminar von dem Gruppenmitglied des Regionalverbandes Dietrich Knapp, Mediator und systemischer Coach.
10 Personen aus Bodensee-Oberschwaben waren der Einladung gefolgt und erlebten einen spannenden, impulsgebenden und zum Nachdenken anregenden Nachmittag.
Aufstellungsarbeit bedeutet Arbeit mit Stellvertretern. Stellvertreter können Personen oder Sachen (Figuren, Bodenanker) sein. Zum Beispiel können alle relevanten Beteiligten eines bestimmten Systems (Familie, Unternehmen) stellvertretend aufgestellt werden. In der Mediation werden Aufstellungen vor allem eingesetzt, um die Ursachen von Konflikten zu erhellen und den Medianden Zugang zu den im Verborgenen wirkenden Kräften zu verschaffen, und somit für einen Erkenntnisgewinn zu sorgen. Aufstellungen geben in sehr kurzer Zeit Einblick in verblüffende und bis dahin unbekannte Konfliktdynamiken bei Veränderungsprozessen und lassen die Klienten Lösungsstrategien erleben, die im Familien- oder Unternehmensalltag umsetzbar sind. Sie öffnen den Blick nicht nur für Unstimmigkeiten in formalen Bereichen, sondern zeigen auch informelle Aspekte einer Familie oder Organisation. Also für das, was nach dem bekannten Eisbergmodell unter der Oberfläche und damit abseits der formalen Strukturen passiert.
Neben den Grundlagen, Leitlinien und Grundsätzen der Aufstellungsarbeit zeigte Dietrich Knapp anhand von jeweils einem Konfliktbeispiel der Seminarteilnehmer den praktischen Ablauf der Aufstellung anhand von Figuren und Bodenankern (Scheiben).
Ein recht herzliches Dankeschön an Dietrich Knapp für die interessanten Ausführungen und die Praxisdemonstrationen der Aufstellung.
Holger Grossmann Ravensburg - Mitglied der Regionalgruppe Bodensee-Oberschwaben
Konfliktmanagement und Trauerverabeitung - wie passt das zusammen?
(Vortrag Ravensburg 18.07.13)
Für unsere erste Fortbildung konnten wir Renata Bauer-Mehren gewinnen, die zugleich unsere Ländergruppenleiterin des BM ist. Daneben ist sie erfahrene Mediatorin und Co-Autorin des Buches: „Der Konflikt weiß alles besser“ .
Als Leiterin des Münchner Instituts für Trauerpädagogik befasst sie sich seit Jahren mit dem Thema „Trauer“. Frau Bauer-Mehren wird uns die Zusammenhänge zwischen den in Mediationen immer wieder auftauchenden Themen: „Positionskämpfe, Konflikte, Grundbedürfnisse und Loslassen“ aufzeigen und diese Themen mit ihrem Schwerpunktthema „Trauern“ verknüpfen. Es geht ihr darum, klarzumachen, dass das Zulassen der Trauer auch in der Mediation einen heilsamen Prozess in Gang setzen kann, wodurch es möglich ist, festgefahrene und verhärtete Positionen aufzulösen. Dadurch können neue Lösungswege entstehen, die vorher nicht gesehen werden konnten.
Durch die Beschäftigung mit diesem Thema unter fachfraulicher Begleitung besteht somit die Möglichkeit, diese gerne ausgesparte Gefühlskomponente durch erhöhte Sensibilität und höhere Achtsamkeit in den Focus zu nehmen, um dadurch unsere Mediationskompetenz zu erweitern.
Renata Bauer-Mehren,
Jahrgang 1945 seit 1992 Witwe, Mutter von 5 Kindern.
Studienrätin, TZI-Diplom, Trauerbegleiterin (AMB), Ausbilderin für Mediation im Bundesverband Mediation, Supervisorin, Systemischer Coach.
Studium der Psychologie, Ausbildungen in Gestalttherapie und systemischen Aufstellungen.
Leiterin von M.I.T., Münchner Institut für Trauerpädagogik
http://www.mit-institut.de/wer-wir-sind.php
KOMMENTAR zu unserer Veranstaltung am 18. Juli 2013
Konfliktbewältigung und Trauerverarbeitung – wie passt das zusammen?
Die Regionalgruppe Bodensee-Oberschwaben hat am 11. Juli 2013 Frau Renata Bauer-Mehren aus München zu einem halbtägigen Seminar eingeladen, bei dem es um die zwei scheinbar nicht zueinander passenden Themen „Trauer“ und „Konfliktbearbeitung“ ging.
13 Personen aus dem Oberschwaben-Bodensee-Bereich waren der Einladung gefolgt und erlebten einen spannenden, impulsgebenden und zum Nachdenken anregenden Nachmittag.
Die Referentin bezeichnet Konflikte als „Kinder von nicht integrierter Trauer über unerfüllte Bedürfnisse“. Sie sieht die Trauer neben der Wut und der Angst als eines der drei Grundgefühle von uns Menschen an. Während die Angst mit dem Bedürfnis nach Sicherheit und die Wut mit nicht erfüllter Autonomie zusammenhänge, stehe hinter der Trauer das nicht erfüllte Grundbedürfnis eines Menschen nach Beziehung.
Konfliktbearbeitung bedeutet nach Bauer-Mehren auch Trauerarbeit, bei der es darum geht, Trauer umzuwandeln, damit nachhaltige Lösungen gefunden werden können. Nicht erkannte Trauer blockiert und bestimmt meine Verhaltensstrategien. In der Konfliktbearbeitung ist diese Trauer als Ausdruck meist unerfüllter Beziehungen deshalb zuerst wahrzunehmen und dann anzuerkennen. Trauer anzuerkennen, heißt, ihr den Schrecken und das Lähmende zu nehmen.. Wahrgenommene und lebendige Trauer machen bewusst, was an Unerledigtem in einem steckt. Auf diese Weise kann Lebendigkeit wieder zurück gewonnen werden. Trauer als Grundgefühl in den Blick zu nehmen und sie zuzulassen, ist somit Teil der Konfliktklärung.
Dem Vortrag folgte eine lebendige Diskussion.
Wir bedanken und sehr für die Ausführungen von Frau Bauer-Mehren!
Kommentator: Werner Langenbacher
Mitglied der Regionalgruppe Bodensee-Oberschwaben im Bundesverband Mediation e.V.